Als wir
1986 die Gedanken für eine TelefonSeelsorge im damaligen
Ostteil der Stadt entwickelten, ließen wir uns von dem
Gedanken leiten, dass zwischen abends 18.00 Uhr und
morgens 6.00 Uhr kein Ansprechpartner für Menschen in
Not und Krisensituationen vorhanden war.
Unser Ziel
war die Einrichtung eines ersten Anlaufpunktes, wo die
Menschen einen Ansprechpartner finden, mit dem sie
anonym und vertraulich über ihre Probleme reden können,
um dann eventuell an eine spezielle Beratungsstelle
vermittelt zu werden.
Gegen die Einrichtung einer
TelefonSeelsorge in kirchlicher Trägerschaft gab es
erhebliche Ängste und Befürchtungen von staatlicher
Seite. Es wurde nichts unversucht gelassen, den Aufbau
einer TelefonSeelsorge zu verhindern.
Ein wichtiges Anliegen der
Mitarbeiter an der Basis war, daß die TelefonSeelsorge
auf breiter ökumenischer Ebene getragen werden kann.
Diesem sind die leitenden Gremien auch gefolgt, so daß
sich aus der anfänglichen Initiativgruppe im Januar 1988
ein ökumenisches Kuratorium zusammensetzte, bestehend
aus folgenden Trägern: Diakonisches Werk
Berlin-Brandenburg, Caritasverband, Bischöfliches
Ordinariat, Evangelisches Konsistorium, Bund der
Evangelisch Freikirchlichen Gemeinden ( damals noch
Vereinigung Ost).
Mit einem Team von 26
ehrenamtlichen Mitarbeitern begann der Aufbau und die
ersten Ausbildungskurse. Durch großes Glück und
Vertrauen in die Sache fanden sich leerstehende
kirchliche Räume mit einem Diensttelefon, die wir
übernehmen konnten. |
Am 1. November 1988
um 18.01 klingelte das erste Mal offiziell das Telefon
bei der Kirchlichen TelefonSeelsorge Berlin-Mitte.
Natürlich haben die Sicherheitsbehörden der DDR die
TelefonSeelsorge in den ersten Monaten nicht nur
beobachtet, sondern auch "belauscht". Jeden Abend kurz
nach 18.00 Uhr gab es einen Anruf bei dem sich niemand
meldete, und es war zu vermuten, dass ein Tonbandgerät
eingeschaltet wurde. Dies war eines der schwierigsten
Themen für uns, denn wir wollten den Anrufern ja
Anonymität zusichern. So mussten wir in vielen
Gesprächen darauf hinzuweisen. Oft war die
Telefonleitung die ganze Nacht gestört.
Nach der Wende
ging es Dank unserer Partner in den alten Bundesländern
für die Kirchliche TelefonSeelsorge Berlin-Mitte ohne
Unterbrechung weiter, die von Anfang an den Aufbau der
Stelle in Ostberlin begleitet haben. So wurden von
Beginn an Strukturen nach westlichen Standards
geschaffen und nach westlichen Ausbildungskonzepten und
den gültigen Leit- und Richtlinien, den internationalen
Normen gearbeitet.
1989 konnten wir den
24-Stunden-Dienst, aufnehmen, verbunden mit dem Umzug in
erste eigene Räume mit Übernachtungsmöglichkeit für die
Ablösung im Nachtdienst. Seit Dezember 1991 sind wir der
bundeseinheitlichen Sonderrufnummer 111 02
angeschlossen, die aus dem Zeittakt befreit ist.
Seit Juli 1997 kann man von jedem
Telefon in ganz Deutschland kostenlos die
TelefonSeelsorge erreichen. Unter den kostenfreien
Rufnummern 0800-1110111 und 0800-1110222 ist nun die
TelefonSeelsorge erreichbar. Die Deutsche Telekom AG
übernimmt die Gebühren der Anrufenden.
Die Zahl der
AnruferInnen hat sich seit Beginn verfünffacht. Dies
zeigt eine recht dramatische Entwicklung, weist aber
auch auf die dringende Notwendigkeit unserer Arbeit hin.
Heute sind mehr als 140 ehrenamtliche Mitarbeiter
beschäftigt, die täglich, zeitweise an zwei Telefonen,
Dienst für die Menschen in dieser Stadt
tun. |