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TelefonSeelsorge Ostbrandenburg

TelefonSeelsorge
Ostbrandenburg

 


15. Jahre
Kirchliche Telefonseelsorge Frankfurt (Oder)

1996 bis 2011

 

Roland Kühne
Superintendent
Ev. Kirchenkreis Oderbruch

Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter in der Telefonseelsorge Frankfurt (Oder),


In meinen „historischen“ Unterlagen gekramt, finde ich die erste schriftliche Einladung zu dem Thema Telefonseelsorge unter dem Eingangsdatum 6. März 1995 abgelegt.

Frau Reinert, Leiterin des DW Frankfurt (Oder), verweist darin auf ein vorliegendes Konzept, bittet um finanzielle Mithilfe der Kirchenkreise und kündigt die Ausbildung ehrenamtlicher Helfer noch für das Jahr 1995 an.
Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein volles Jahr im Amt des Superintendenten für den damaligen  Kirchenkreis Seelow.

Telefonseelsorge ist ein  großes Thema, an dem wir nicht vorbei kamen. Die Erfahrungsberichte bereits funktionierender Telefonseelsorge überzeugten. Mit großem Engagement, aber ohne zu wissen, wie wir den Erfordernissen tatsächlich entsprechen konnten, sind wir die Sache damals angegangen.

Ökumenisch sollte die Telefonseelsorge getragen werden. So war dann auch das Kuratorium mit Vertretern der 4 Ev. Kirchenkreise Frankfurt (Oder), Fürstenwalde, Beeskow und Seelow, sowie mit einem Vertreter der Ev. Freikirchlichen Gemeinde Frankfurt (Oder), der Gemeinschaft d. Siebenten Tags Adventisten und der Katholischen Kirche besetzt. Eine Sitzung folgte der anderen bis wir am 26. Oktober 1996 den ersten Entsendungsgottesdienst der ehrenamtlichen Helfer feiern konnten und  die Telefonseelsorge Frankfurt (Oder) am  28. Oktober 1996 ans Netz ging. Von da an, war es aus meinem Blickwinkel ein „Selbstläufer“, freilich nicht ohne  Höhen und Tiefen.

Auch aus dem Kirchenkreis Seelow (später Oderbruch) fanden sich Gemeindeglieder, die sich für diese so wichtige ehrenamtliche Arbeit ausbilden ließen.
Kirchliche Telefonseelsorge agiert nicht öffentlich, aber die veröffentlichten Anruferzahlen beeindrucken. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung gibt es nicht. Die notwendige Bereitschaft zum vorbehaltlosen Zuhören, Mittragen und seelsorgerliche Hilfe leisten, lässt sich nicht wirtschaftlichen Kriterien unterwerfen. Deshalb ist es einfach nur wichtig, dass es sie gibt und von unserer Kirche mitgetragen wird!

Fünfzehn Jahre sind geschafft, aber was ist das schon angesichts vorhandener menschlicher Not zu allen Zeiten. Die Telefonseelsorge muss auch in unserer Region weitere Jahre der Verlässlichkeit absichern. Dabei ist es unwichtig, ob der alte Name Telefonseelsorge Frankfurt (Oder) erhalten bleibt oder durch einen anderen ersetzt wird, ob die Telefonseelsorge ihren Sitz da oder dort hat und vielleicht der Trägerkreis erweitert werden muss. Nur eines darf nie passieren, nämlich das Abschalten.
Allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Telefonseelsorge Frankfurt (Oder) herzlichen Dank für Ihren so wichtigen Einsatz!

Dass Gottes Segen besonders auch auf Ihrem Einsatz in der Nachfolge Jesu Christi liegt, können wir, abgewandelt auf die Telefonseelsorge, dem biblischen Wort für den Monat des 15jährigen  Jubiläums (November) finden:

„Gott ist der Herr, meine feste Burg am Tag der Not. Er kennt alle,
die Schutz suchen bei ihm.“ Nah. 1,7

 

R. Kühne

Superintendent, Ev. Kirchenkreis Oderbruch

 


 

Die TelefonSeelsorge Ostbrandenburg stellt sich vor

Träger ist das Diakonische Werk Niederlausitz e.V. – gefördert durch das Land Brandenburg und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

 

„Ich bin da, um zuzuhören“


37 ehrenamtliche Telefonseelsorger in Frankfurt (Oder) unterstützen Menschen in Krisensituationen/ Nächtliche Gespräche sind länger und schwerer


Anonymität, Verschwiegenheit und Erreichbarkeit rund um die Uhr – das sind die wichtigsten Grundsätze der Telefonseelsorge in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Bundesweit gibt es heute in 80 Städten 70.000 ehrenamtliche Mitarbeiter, die Menschen in Lebenskrisen telefonisch zur Seite stehen und in vielen Fällen erste Hilfe in seelischer Not leisten.

Geboren wurde die Idee der Telefonseelsorge in England in den 50er Jahren. Besorgt über die hohe Suizidrate im London, gab der anglikanische Pfarrer Chad Varah im Jahre1953 eine Anzeige in der Londoner „Times“ auf, in der er seine Landsleute darum bat, ihn anzurufen, bevor sie sich das Leben nehmen wollten. Schon bald konnte er die große Anzahl der Anrufe, die ihn erreichten, nicht mehr alleine bewältigen. Er wählte zu seiner Unterstützung Frauen und Männer aus und gründete eine Organisation mit dem Namen "The Samaritans". „Heute ist das vorherrschende Thema nicht mehr Suizid, sondern die Einsamkeit der Menschen“, weiß Klaus Lehmann (Name von der Redaktion geändert), ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Frankfurter Telefonseelsorge. Der pensionierte Lehrer ist einer von 37 Ehrenamtlern, der Menschen in Krisensituationen telefonisch unterstützt. Neben der Einsamkeit sind physische sowie psychische Krankheiten das Hauptmotiv für die Betroffenen, die kostenlose Nummer der Telefonseelsorge, die 24 Stunden, sieben Tagen die Woche erreichbar ist, zu wählen. „Ich bin in erster Linie da, um zuzuhören“, berichtet Klaus Lehmann. „Es ist wichtig zu wissen, dass wir kein Beratungstelefon sind. Wir können den Betroffenen nur unsere Gedanken mitteilen.“


Durch eine Anzeige in der Zeitung ist der 64-Jährige vor zwei Jahren auf das Ehrenamt aufmerksam geworden. Und da er wieder tätig werden und gleichzeitig Menschen helfen wollte, absolvierte er 2009 eine einjährige kostenfreie Ausbildung zum Telefonseelsorger, die vom Diakonischen Werk Niederlausitz getragen wird. „Die Ausbildung ist sehr belastend, weil man viel über sich selber lernt“, erzählt Klaus Lehmann. Einige halten das nicht durch und brechen die Ausbildung vorzeitig wieder ab. Seit Anfang dieses Jahres sitzt er etwa zwölf Stunden im Monat am Telefon in einem Frankfurter Büro, um Menschen mit Problemen jedweder Art ein offenes Ohr und wärmende Worte zu spenden. Am Anfang hatte Klaus Lehmann oft nachts gearbeitet, meistens waren es dreistündige Schichten. Seit kurzem überlässt er die nächtlichen Schichten lieber den jüngeren Kollegen, da ihm der gestörte Schlafrhythmus zu schaffen machte. „Nachts ist es wesentlich belastender, weil die Gespräche eher schwieriger und länger werden. Aber die dunkle Tageszeit hat auch eine angenehme Seite: es ist ruhiger.“ Die größten Probleme hatte er anfangs, wenn Kinder anriefen und sich einen Scherz aus der Krisenhotline machten. „Seit einiger Zeit reagiere ich auf solche Anrufe aber gelassener“, erklärt der Rentner. Auch Menschen, die ein Verbrechen planen oder bereits begangen haben, rufen gelegentlich bei der Telefonseelsorge an. „Aber diese schweren Fälle kommen recht selten vor,“ erklärt der Frankfurter. Es komme ihm bei den Anrufern nicht darauf an, sie in Opfer- oder Tätergruppen zu unterteilen. Für ihn gibt es nur Betroffene, die eben Hilfe suchen. „Nicht der Lehrer, der von der Kanzel predigt und Ratschläge erteilt, ist ein guter Lehrer“, eine Lebensweisheit, die der pensionierte Pädagoge aus seiner eigenen beruflichen Laufbahn mitgenommen hat.


„Mir ist es wichtig, mich gefühlsmäßig mit den Betroffenen auf eine Ebene zu bringen, ohne aber meine Rettungsleiter aus den Augen zu verlieren.“ Mit der Zeit lerne man als ehrenamtlicher Mitarbeiter auch, sich selbst zu schützen, Probleme nicht zu sehr an sich ran zu lassen, so Klaus Lehmann. Dennoch gibt es immer wieder Fälle, die den lebenserfahrenen Mitarbeiter und seine Kollegen bewegen. Um diese besser zu verarbeiten, gibt es ein Mal im Monat eine Supervision, ein entlastendes Gruppengespräch zwischen den Mitarbeitern und einem externen Supervisor.


Was aber treibt Klaus Lehmann an, sich stundenlang unentgeltlich mit Problemen fremder Leute zu befassen? „Für mich ist es ein sehr erfüllendes Gefühl, einem wildfremden Menschen sehr nahe zu sein. Das kommt selten vor, aber es passiert“, erklärt Klaus Lehmann, „zum Beispiel wenn man Gedanken vorweg nimmt, die der Betroffene auch denkt. Das ist im Prinzip unser Lohn.“

Tina Zimmermann ist freie Redakteurin der Märkischen Oderzeitung (MOZ). Der Artikel erschien am 20.08.2010 in der MOZ.

 


 

Liebe Leserin, lieber Leser,


ehrenamtliche TelefonSeelsorgerinnen und – Seelsorger verpflichten sich, ihren Dienst anonym zu versehen. Dies geschieht, um die Hemmschwelle der Anrufenden niedrig zu halten und um die Ehrenamtlichen selbst zu schützen. Aus diesem Grund ist es ausgesprochen schwierig, der TelefonSeelsorge ein Gesicht zu verleihen. Ein Gesicht, das die „Kernerarbeit“ symbolisiert.

Anders als in anderen Ehrenämtern, wie z.B. der Hospizarbeit, zeigen sich in der TelefonSeelsorge fast nur Hauptamtliche der Öffentlichkeit. In unserer von Bildmedien beherrschten Zeit stellt dieser Umstand nicht nur einen „Wettbewerbsnachteil“ bei der Einwerbung von Finanzmitteln dar.

Es ist auch eine Frage der Würdigung der Arbeit der Ehrenamtlichen. So waren wir sehr froh, dass Hannelore Graichen, die 13 Jahre lang als Ehrenamtliche in der TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder) tätig war, der Ehrenpreis der Stadt Frankfurt (Oder) für ihr Engagement im Herbst 2009 verliehen wurde. Sie arbeitet nach ihrem Ausscheiden im “Freundeskreis der TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder)“ mit, der sich im Januar 2010 gegründet hat.

Der Freundeskreis dient unter anderem dazu, der TelefonSeelsorge Gesicht zu verleihen und in der Öffentlichkeit auf unsere wichtige Arbeit aufmerksam zu machen. Ihm gehören momentan sechs Personen an, die sich der TelefonSeelsorge verbunden fühlen und die Arbeit unterstützen wollen. Wer im Freundeskreis mitarbeiten will, kann sich gern im Büro der TelefonSeelsorge Frankfurt (Oder) Telefon 0335 - 685 72 13 melden.


Lassen Sie sich einladen, diese heilsame Arbeit durch eigenes Engagement oder finanzielle Unterstützung zu stärken. Wir wünschen uns, dass möglichst viele sich durch diesen Jahresbericht anregen lassen, ihren Teil dazu beizutragen.

Ulrich M. Falkenhagen

Leiter der Telefonseelsorge Frankfurt (Oder)

 

 

 

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10.05.2012
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Träger der TelefonSeelsorge
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Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.
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